Eine Brücke für jedes Schiff. Was Washington, Teheran, Moskau und Peking über Hormus sagen.
Am Mittwoch schreibt Trump auf Truth Social einen Satz, der die Strasse von Hormus in eine Rechnung verwandelt. Für jedes Schiff, auf das Iran dort schiesst, zerstören die USA ab jetzt eine Brücke oder ein Kraftwerk, notfalls in Teheran selbst. Teheran droht mit gleicher Münze zurück. Moskau winkt ab, Peking mahnt zur Durchfahrt. Vier Hauptstädte, dieselbe Meerenge, vier Rechnungen.
Am 22. Juli, dem elften Tag in Folge mit US-Angriffen auf iranische Ziele, verschärft Trump die Sprache. Der Streit läuft seit Wochen. Iran beansprucht Kontrolle über die Strasse von Hormus, die Meerenge am Ausgang des Persischen Golfs, durch die ein grosser Teil des weltweiten Öls fährt. Washington sagt, die Passage sei international und frei. Seit dem 13. Juli gilt wieder eine US-Seeblockade, seit Anfang Juli laufen die Angriffe erneut. Nach US-Angaben hat Iran in drei Monaten mehr als dreissig Handelsschiffe beschossen. Am selben Mittwoch treffen Huthi-Raketen zwei saudische Tanker im Roten Meer, der Ölpreis steigt über hundert Dollar.
Was die Staatsmedien melden
Vereinigte Staaten
Trump veröffentlicht die Drohung am Mittwoch auf seiner Plattform Truth Social. Der Wortlaut ist knapp und wird von den US-Sendern gleichlautend zitiert.
„Ab diesem Zeitpunkt werden die Vereinigten Staaten jedes Mal, wenn die Islamische Republik Iran in der Strasse von Hormus auf ein Schiff schiesst, ob mit Rakete, Geschoss, Drohne oder einer anderen Waffe, EINE BRÜCKE ODER EIN KRAFTWERK bombardieren und zerstören, auch solche neben oder in der Hauptstadt Teheran." Trump auf Truth Social, 22. Juli 2026
Das US-Zentralkommando meldet in derselben Nacht die elfte Angriffswelle. Getroffen worden seien militärische Kommandozentralen, Drohnenlager, Kommunikationsnetze und Küstenüberwachung, alles mit dem Ziel, Irans Fähigkeit zu Angriffen auf Schiffe zu verringern. Der US-Aussenminister warnt, Teherans Drohung gegen die Meerenge berge ein globales Risiko. Zugleich rechnet er China öffentlich an, es habe sich zur freien Durchfahrt konstruktiv verhalten. Ob Peking oder Moskau Iran mit Zielinformationen helfe, lässt er offen.
Iran
Iran antwortet über die halbamtliche Agentur Tasnim. Eine Militärquelle kündigt Vergeltung mit gleicher Münze an.
„Wenn die Amerikaner eine Brücke oder ein Kraftwerk in Iran angreifen, wird Iran seinerseits Infrastruktur und Brücken in der Region treffen, auch Energieanlagen, an denen die USA Interessen haben." Iranische Militärquelle, via Tasnim, 22. Juli 2026
Der Sprecher des iranischen Aussenministeriums sagt, Teheran werde auf einen Waffenstillstandsvorschlag förmlich antworten. Verhandlungen seien aber nicht vereinbar mit Ultimaten und mit Drohungen, Kriegsverbrechen zu begehen. Das iranische Staatsfernsehen meldet, ein iranischer Tanker habe die US-Blockade passiert und den Golf von Oman erreicht. Zur Durchfahrt fremder Schiffe wiederholt Teheran seine Linie. Sicher sei sie nur nach vorheriger Abstimmung mit Iran.
Russland
Der russische Aussenminister äussert sich am Rande der ASEAN-Treffen in Manila. Die russische Staatsagentur zitiert ihn zurückhaltend.
„Ich habe das Gefühl, dass anhaltende Kampfhandlungen weder im Interesse der USA noch Irans liegen." Russischer Aussenminister, via TASS, Manila, 22. Juli 2026
Wie lange der Konflikt dauere, sei schwer vorherzusagen. Der Kreml lässt zusätzlich mitteilen, man bedauere die neue Eskalation, weil sie Washington von seiner Rolle als Vermittler im Ukraine-Konflikt ablenke. Eine Position zum konkreten Ultimatum, zu den Brücken und Kraftwerken, nennt Moskau nicht.
China
Peking bleibt bei seiner bekannten Formel. Das chinesische Aussenministerium ruft zur baldigen Wiederherstellung einer sicheren und freien Durchfahrt durch die Strasse von Hormus auf. Der chinesische Aussenminister hatte schon zuvor gesagt, Irans Souveränität in der Meerenge müsse geachtet werden, zugleich müssten Freiheit und Sicherheit der Schifffahrt gewährleistet sein. Der eigentliche Weg zur Lösung sei ein rascher Waffenstillstand. Keine der beiden Seiten wird beim Namen genannt.
Was Reuters, AFP und dpa dazu sagen
Reuters meldet den Schlagabtausch als das, was er ist, eine Drohung gegen eine Gegendrohung, ohne eine Seite festzuschreiben. Die Agentur berichtet ausserdem, die iranischen Revolutionsgarden hätten erklärt, ein Öltanker sei nach einer Explosion in Brand geraten, als er südlich der Meerenge eine von Iran als vermint bezeichnete Route passieren wollte. Zwei weitere Tanker seien umgekehrt.
Die französische Agentur AFP, in deutschen und arabischen Medien breit übernommen, stellt Trumps Wortlaut neben die iranische Antwort und ordnet beides als Eskalation der Rhetorik ein. Betont wird der Widerspruch im Kern. Washington besteht auf Hormus als internationaler, frei befahrbarer Wasserstrasse, Teheran macht die sichere Durchfahrt von vorheriger Abstimmung abhängig.
Die deutschen Agenturmeldungen, etwa bei t-online und weiteren Häusern, rücken die humanitäre und die Marktseite in den Vordergrund. Nach Angaben des iranischen Gesundheitsministeriums sind seit dem 6. Juli mindestens 53 Menschen durch US-Angriffe getötet worden, Tasnim spricht von fast 600 Verletzten. Am Mittwoch beschiessen die Huthi zwei saudische Tanker im Roten Meer, der Brent-Preis steigt über hundert Dollar. Am Donnerstag berichten Agenturen von Explosionen in mehreren iranischen Städten und auf der Insel Qeschm.
Was fehlt
In der amerikanischen Lesart fehlt der Preis für Zivilisten. Ein Kraftwerk neben oder in Teheran zu zerstören, trifft eine Millionenstadt, nicht nur eine Militäranlage. Die Drohung nennt das Ziel, nicht die Folge. Und sie erklärt Hormus zur Frage der freien Schifffahrt, blendet aber aus, dass Iran dort Souveränität beansprucht. Wer nur die US-Sender liest, hört ein Prinzip und keine Stromrechnung.
In der iranischen Lesart fehlen die dreissig Schiffe. Die Militärquelle droht mit Angriffen auf Energieanlagen in der Region, der Sprecher des Aussenministeriums wirft der Gegenseite Kriegsverbrechen vor. Dass Iran selbst seit Wochen Handelsschiffe beschiesst, kommt in der eigenen Darstellung nicht vor. Die Formel von der sicheren Durchfahrt nach Abstimmung klingt nach Ordnung und meint eine Maut.
In der russischen Lesart fehlt eine Haltung. Dass anhaltende Kämpfe niemandem nützen, ist wahr und unverbindlich. Zum konkreten Ultimatum sagt Moskau nichts, dafür verknüpft es die Eskalation mit dem Ukraine-Thema. Wer sich als Vermittler anbietet, müsste zur schärfsten Drohung der Woche eine Position haben.
In der chinesischen Lesart fehlen die Namen. Freie und sichere Durchfahrt fordert Peking seit Monaten, ohne zu sagen, wer sie behindert. Dass der US-Aussenminister Peking öffentlich lobt und gleichzeitig offenlässt, ob China Iran Zieldaten liefert, steht unkommentiert nebeneinander.
Ganz fehlen zwei, die den Krieg mitschreiben und an keinem der Tische sitzen. Israel kündigt über seinen Verteidigungsminister einen vernichtenden Schlag an, falls Iran es angreife. Saudi-Arabien wird am selben Mittwoch von Huthi-Raketen getroffen, Trump verspricht Vergeltung für diese Angriffe. Beide gehören in die Rechnung. In keiner der vier Hauptstadt-Versionen tauchen sie auf.
Einordnung
Der Ablauf ist kurz. Anfang Juli nehmen die USA die Angriffe wieder auf, seit dem 13. Juli gilt erneut eine Seeblockade. Über drei Monate summieren sich nach US-Angaben mehr als dreissig iranische Angriffe auf Schiffe. Am 22. Juli setzt Trump das Ultimatum, Iran droht zurück, die Huthi treffen saudische Tanker, der Ölpreis springt über hundert Dollar. In der Nacht folgt die elfte US-Angriffswelle, am 23. Juli melden Agenturen Explosionen in iranischen Städten.
Neu an dieser Woche ist die Form der Drohung. Erstmals verknüpft Washington jeden einzelnen Schiffsangriff fest mit der Zerstörung ziviler Infrastruktur, Brücke gegen Schiff, Kraftwerk gegen Schiff. Iran spiegelt das Muster und verlagert es auf die ganze Region. Ob daraus Taten werden, zeigt sich an drei Punkten. Ob tatsächlich eine erste Brücke oder ein erstes Kraftwerk fällt. Ob der von der New York Times gemeldete Waffenstillstandsvorschlag, den Teheran ablehnte, noch einmal auf den Tisch kommt. Und ob Xis für den 24. September angekündigter Besuch in Washington zum Kanal wird, über den Peking mehr tut als mahnen. Bis dahin steht die Meerenge so, wie sie am Mittwoch stand. Ein Ultimatum, gerechnet in Schiffen und Brücken.
Quellen
- CNBC, Trump vows to bomb Iran's bridges, power plants if it shoots at ships in Hormuz Strait, 22.7.2026: cnbc.com
- Forbes, Trump Threatens To Destroy One Bridge Or Power Plant In Iran If It Shoots At Ships In Hormuz, 22.7.2026: forbes.com
- Al Jazeera (AFP), Trump threatens to bomb Iranian bridges, power plants over ship attacks, 22.7.2026: aljazeera.com
- Fox News, Tehran responds after Trump warns US will strike bridges, power plants over Hormuz attacks, 22.7.2026: foxnews.com
- TASS, Fighting over Hormuz won't do Iran, US any good — Lavrov, 22.7.2026: tass.com
- TASS, US completes another wave of strikes on Iran — CENTCOM, 23.7.2026: tass.com
- TASS, US rejects Iran's claim of control over Strait of Hormuz, 23.7.2026: tass.com
- TASS, Iran rejects new US ceasefire proposal — NYT, 23.7.2026: tass.com
- TASS, Iranian tanker passes through US blockade, entering Gulf of Oman — state television, 23.7.2026: tass.com
- TASS, IDF to deal crushing blow to Iran, if it attacks Israel — Ynet, 23.7.2026: tass.com
- TASS, US to retaliate against Iran for Houthi attacks — Trump, 23.7.2026: tass.com
- South China Morning Post, China's Wang Yi calls on Iran to ensure freedom and safe passage through Strait of Hormuz: scmp.com
- Ynetnews, China calls on Iran to reopen Strait of Hormuz to global shipping: ynetnews.com
- CNN, July 22, 2026 — Trump attends dignified transfer of soldiers, US and Iran trade threats: cnn.com
- CNN, July 23, 2026 — Oil tops 100 a barrel, Houthi attack in Red Sea marks new escalation: cnn.com
- t-online (dpa/AFP), Krieg in Nahost aktuell: Trump droht Angriffe auf Brücken und Kraftwerke an, 22.7.2026: t-online.de
- The Washington Post, Trump says US will destroy a bridge or power plant for each Iranian attack in the Strait of Hormuz, 22.7.2026: washingtonpost.com
- Council on Foreign Relations, Trump Escalates Threats to Iranian Infrastructure Amid Strait of Hormuz Impasse: cfr.org